Der gute Boden





Vor 70-80 Millionen Jahren entstand Kreidekalk aus – Plankton!
Noch heute gibt es die einzelligen, schalenbildende Meeresalgen, so genannte Coccolithopoiden oder Kalkalgen. Sie haben ein Skelett aus zahlreichen diskus-förmigen und strahlenförmig angeordneten Calcid-Scheiben. Diese nur Mikrometer winzigen Plättchen lagerten sich nach Absterben der Algen zunächst als Kreideschlamm am Meeresboden ab. Der Druck des darüber liegenden Wassers komprimierte den Schlamm zu einem porösen, bröckeligen Kalkgestein, der Kreide. Die Kreidefelsen auf Rügen bestehen fast zu 100% aus Coccolithopoiden.

Der besondere Unterschied von unserer Kreide zu den anderen Kalkgesteinen etwa dem Devon- oder Jurakalk ist seine deutlich geringere Härte. Der Zusammenhalt der Gesteinspartikel ist eher bröckelig, man kann ihn mit dem Fingernagel ritzen. Hohlräume von ca. 0,5 Mikrometer machen etwa 40 Prozent seines Gesamtvolumens aus. Die so entstandene Feinporigkeit ergibt eine wesentlich größere innere Oberfläche. Pro Kubikzentimeter beträgt sie bis zu 5 Quadratmeter!



Daraus resultiert eine hohe Kapillar-Wirkung, also eine starke Saugkraft. Die Kreide nimmt Wasser und Sauerstoff schneller auf, zerfällt schneller, lockert den Boden auf und gibt wesentlich schneller ihr Calciumcarbonat (CaCO3) an den Boden ab, als Hart-Kalke. Diese hohe Reaktivität macht sie zum optimalen Düngemittel.

CaCO3 ist die Brücke im Ton-Humus-Komplex. Fehlt es dem Boden daran, verdichtet er sich und wichtige Nährstoffe werden eingeschlossen. Durch den fehlenden Gasaustausch staut sich Kohlendioxid und verbindet sich mit Wasser zu Kohlensäure. Der Boden versauert. Das ist schlecht für Mikroorganismen und Pflanzenwachstum.
Ein CaCO3 Überschuss hat aber noch eine andere wesentliche Funktion: Im Zuge des Ionentausches verdrängt das positiv geladene Calciumcarbonat andere Kationen, etwa die des Magnesiums, Kaliums, Stickstoffs aus dem Ton-Humus Komplex und macht sie so schnell pflanzen-verfügbar.
Man könnte sagen, CaCO3 formatiert ihren Boden neu.